Kategorie: Theorie

Industrie 4.0: Vorwärts zur sozialistischen Planwirtschaft!

Die Entwicklung der modernen Technik ist weit fortgeschritten und droht immer mehr Arbeitsplätze überflüssig zu machen. Der letzte Teil unserer Serie zum Thema Industrie 4.0.


Wir dürfen uns davor jedoch nicht fürchten sondern müssen eine drastische Arbeitszeitverkürzung fordern. Das Potential des technologischen Fortschrittes zeigt die Notwendigkeit einer sozialistischen Planwirtschaft. Die Digitalisierung ist ein Ausdruck des technologischen Fortschritts, welcher in den letzten zwei Jahrhundert durch die kapitalistische Produktionsweise angetrieben wurde. Die Automatisierungen und welche möglich werden, haben das Potential uns vom größten Teil der Arbeitslast zu befreien. Solange sich jedoch die Produktionsmittel in den Händen von Privatpersonen befinden und sie alle Entscheidungen treffen, wird dieses Potential jedoch nur der Profitmaximierung weiter dienen. Das volle Potential für die Gesellschaft, kann sich erst unter einer sozialistischen Planwirtschaft entfalten.

Welche enorme Produktivitätssteigerung gewonnen werden können, zeigen uns allein die industriellen Roboter, welche seit der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts die Fabriken auf der ganzen Welt eroberten. Mit ihnen kann mit einem Bruchteil der menschlichen Arbeit viel mehr produziert werden. „Zwischen 1962 und 2005 gingen in der US Stahlindustrie 400.000 Jobs verloren — 75% insgesamt. Doch die Stahlproduktion ist seither nicht gesunken. Heute produziert ein Minenarbeiter so viel wie 1945 zehn. Eine Textilarbeiterin produziert so viel wie Tausende vor einigen Dekaden.“[1]

Doch das ist noch lange nicht alles. “Auch in der Lebensmittelindustrie werden Arbeiten wie das Verpacken von Käse von Robotern durchgeführt, mit denen auch die Beteiligung von Menschen an gefährlichen Berufen ausgeschlossen werden kann. Roboter bedeuten mehr Qualität, mehr Flexibilität in der Produktion und Geschwindigkeit.”[2] Mit der Digitalisierung wird das alles noch viel weitergetrieben: Es wird mit selbstfahrenden Autos experimentiert, autonome Küchen oder selbst die Chirurgen sollen irgendwann von Robotern ersetzt werden.

Das Internet

Mit dem Internet erhöht sich das Potential zur Automatisierung und Optimierung der Produktion und der Dienstleistungen. Es ermöglicht eine automatische Koordination zwischen ganzen Fabriken und Verarbeitungsschritten. Informationen aus Anlagen der ganzen Welt können an einem zentralen Ort zusammengetragen und bis zu einem gewissen Grad von der Ferne aus gesteuert und gewartet werden. Dazu kommt das immer schneller und besser werdende drahtlose Internet über das Mobilfunknetz enormes Potential. Alle elektronischen Geräte könnten einen Internetzugang bekommen und die Produktion so dynamischer, flexibler und autonomer machen.

Doch nicht nur im Produktionsprozess spielt das Internet eine wichtige Rolle, auch bei der Forschung und Bildung der Menschen hat es uns große Fortschritte beschafft. Je mehr Menschen einen Zugang zu dem aktuellen Wissensstand haben, umso mehr Ideen fließen in die Weiterentwicklung des aktuellen Standes. Dadurch und mit seinen eigenen technologischen Möglichkeiten, revolutioniert das Internet die Produktionsmittel schneller als je zuvor. Um dieses Potential voll zu entfalten müsste jedoch die Last der Arbeit vermindert werden, denn nicht viele haben die Motivation und Kraft nach einem harten Arbeitstag noch ihren Entdecker- und Erfindergeist auszuleben.

Durch das Internet ist die Welt viel näher zusammengerückt. Menschen können quer über den ganzen Planeten kommunizieren als würden sie nebeneinander stehen. Dies zeigt sich auch in der Produktion, wie z.B. die Softwareindustrie, welche hauptsächlich digitale Rohstoffe benötigen und digitale Waren produzieren. Sie können diese innerhalb Sekunden über den ganzen Planeten transportieren. Dort können sie wieder neu in einen Produktionsprozess, von einer anderen Firma, eintreten.

Die Geschwindigkeit der Anhäufung von Kapital ist in den letzten Jahrzehnten stark gestiegen. Das konstante Kapital, welches Rohstoffe und Maschinen sowie auch Programme und ihre Lizenzen unter sich vereint, nimmt zu, während verhältnismäßig das variable Kapital, welches die menschliche Arbeitskraft repräsentiert, tendenziell abnimmt. Da der Mehrwert jedoch nur aus dem variablen Kapital entsteht, sinkt tendenziell der Profit gegenüber dem investierten Kapital. In ihrem Streben nach Profit verfallen sie in Spekulationen und sie stürzen sich wie Geier auf neue Branchen.

Die Entstehung riesiger Technologie-, Software- und Internetkonzerne und die enorme Investitionssummen, welche in sie gesteckt werden, lassen sich damit erklären. Dadurch ist aber auch die Gefahr für Hypes und Blasen groß. Aber auch hier bildeten sich neue riesige multinationale Konzerne. Denken wir nur an Amazon, Google, Facebook, u.s.w. Dies ist dem Prozess der Zentralisation des Kapitals geschuldet, bei welchem die kleineren Kapitale, welche immer wieder von neuem, aus dem nichts erscheinen, von den größeren geschluckt, verdrängt oder anderweitig absorbiert werden.

Big Data

Das Internet bietet uns Zugang zu Unmengen an Informationen und Wissen. Wer bereits einmal vor einem Stapel Schulbücher, die gelernt werden müssten, gesessen hat weiß, dass es nicht so einfach ist aus einem Berg von Informationen das Wichtigste heraus zu ziehen. Ein Technikhistoriker der ETH Zürich (David Gugerli) schätzt, dass 1989 der Fichenskandal des Schweizer Geheimdienstes nur aufgeflogen ist, weil der Geheimdienst kaum Möglichkeiten hatte fast eine Million Dossiers auf Papier sinnvoll auszuwerten. Da kommt ein Modebegriff, welcher zur Industrie 4.0 gehört, ins Spiel: ‚Big Data‘. Dabei geht es in erster Linie eigentlich nur darum, unglaubliche Mengen und vor allem alle möglichen Daten und Informationen zu speichern und auszuwerten.

Heute werden diese Informationen in riesigen Datenbanken gespeichert und von Computerprogrammen durchforstet und analysiert. Die NSA, ein amerikanischer Geheimdienst, speichert so gut wie alle Internet- und Telefonverbindungen und analysieren diese um Informationen zu gewinnen, welche ihnen diplomatischen, militärischen und wirtschaftlichen Vorteile bringen. Google liefert in Bruchteilen einer Sekunde nach der Eingabe eines Suchbegriffes oder Bildes hunderttausende Fundstellen. Nur durch die enormen Fortschritte, welche bei der Rechenleistung von Computer, gemacht wurden, ist dies überhaupt möglich — also durch die Entwicklung der Produktivkräfte.

In Anlehnung an das menschliche Gehirn wurden Methoden entwickelt, die es Computer ermöglichen selbständig komplexe Konzepte zu erkennen und verstehen. Wie im Gehirn wurden künstliche neuronale Netze erstellt, welche mit ausgeklügelten Mechanismen beginnen selbstständig aus Daten zu lernen. Je mehr Daten und Informationen diese Systeme bekommen, umso mehr lernen sie und umso besser werden sie mit der Verarbeitung von komplexen Problemen. Google verwendete zum Beispiel die ungeheuren Mengen an Bilder in ihren Datenbanken, um ihrer Suchmaschine beizubringen ähnliche Bilder zu erkennen und finden.

So richtig beeindruckend und auch beängstigend sind die Ergebnisse der Werbeindustrie. Die Konzerne versuchen alle möglichen Daten über alle zu sammeln und diese zu analysieren. Dadurch können sie zielgerichtete und erfolgversprechende ihre Werbung verbreiten. In der USA gab es einen Fall von einem Teenager Mädchen, welche Schwangerschaftsgutscheine bekommen hat. Nachdem sich der Vater beschwerte stellte sich später heraus, dass seine Tochter tatsächlich schwanger war. Aufgrund des veränderten Konsumverhaltens der Tochter schloss der Konzern, dass sie schwanger sein müsste.[3]

Aber auch in der Produktion bieten sich dadurch wieder neue Möglichkeiten. Heute sind so gut wie alle Geräte mit Sensoren und einem Computer ausgerüstet. Werden alle über das Internet verbunden und so die Daten an einem zentralen Ort gesammelt, werden Unmengen an Daten gewonnen. Daraus können Informationen über die Optimierung von Produktionsabläufen, Ressourcenverbrauch und vieles mehr gewonnen werden. Internet in Kombination mit Big Data bietet also riesige Möglichkeiten zur Produktivitätssteigerung und somit zur Reduktion der Arbeitszeit.

Vorwärts zur sozialistischen Planwirtschaft!

Die Digitalisierung oder Industrie 4.0 eröffnet also ein riesiges Potential, welches nur noch genutzt werden muss. Bereits heute nutzen multinationale Konzerne viele dieser Methoden und organisieren eine Produktion in der hunderttausende Menschen involviert sind, eine Vielzahl verschiedener Produkte produziert oder Dienstleistungen angeboten werden und komplexe Produktionsabläufe minutiös durchplanen. Die Nachfrage des Weltmarkts wird analysiert und die Produktion darauf ausgerichtet, um den Profit zu maximieren. Dabei erreichen sie teilweise beeindruckende Erfolge, diese sind aber immer stark limitiert durch die kapitalistische Gesellschaft. Die Maximierung des Profits für Privatpersonen absorbiert das Potential, welches diese enormen Produktivkräfte für die Gesellschaft haben.

Die durch die moderne Technik hervorgebrachten Methoden müssten gesamtgesellschaftlich angewandt werden. Die Überlegenheit der Planwirtschaft gegenüber der kapitalistischen Produktionsweise wurde bereits in einer verzerrten Weise durch die Sowjetunion demonstriert. Aus einer stark rückständigen Gesellschaft in einem durch Kriege zerstörten Teil der Welt wurde eine wirtschaftliche Weltmacht, die eine Weltraumstation errichtete. Dies ohne Arbeitslosigkeit, mit steigenden Lebensbedingungen und während einer Zeit, in welcher die restliche kapitalistische Welt von Krisen, Depression und Massenarbeitslosigkeit geplagt war. Die sowjetische Planwirtschaft wurde jedoch von einer bürokratischen Kaste geleitet, welche jegliche Kritik und Widerspruch unterdrückte und somit jegliche Rückmeldung vom Erfolg der Entscheidungen verstummen lies. Es war sozusagen eine Planwirtschaft im totalen Blindflug.

Eine gesunde Planwirtschaft benötigt jedoch eine allumfassende Demokratie damit alle Konsequenzen der Entscheidungen in die nächsten einfließen. Sie stellt also die Rückmeldungen über Erfolg oder Misserfolg der getroffenen Maßnahmen sicher. In Kombination mit den heutigen Unmengen an Informationen, welche über das Internet sofort überall zur Verfügung stehen und von Computer immer besser gefiltert und interpretiert werden, bietet sich eine komplett neue Welt. Die sowjetische Planwirtschaft im Blindflug würde dagegen nur wie eine primitive Vorform erscheinen.

Die Augen und Ohren der demokratisch organisierten Gesellschaft wären überall und mit unglaublichen Fähigkeiten ausgestattet sehr viele Informationen in Betracht zu ziehen. Die Menge der Produkte welche produziert werden müssten könnte immer genauer vorhergesagt werden. Über- und Unterproduktion könnten fast komplett eliminiert werden. Die Arbeit, welche noch immer durch die menschliche Arbeitskraft verrichtet werden müsste, wird auf alle Menschen verteilt. „Danach könnte der Arbeitstag stetig verkürzt werden und damit die materiellen Voraussetzungen für ein solches Aufblühen von Demokratie, Kunst, Wissenschaft und Kultur geschaffen werden, wie es die Welt noch nie gesehen hat. Genau das ist die materielle Grundlage für den Sozialismus - eine neue und qualitativ höhere Form der menschlichen Gesellschaft. Das sind keine utopischen Tagträume, sondern Schlussfolgerungen, die sich logisch und zwangsläufig aus dem gegenwärtigen Wissensstand und den tatsächlichen Anforderungen der Produktivkräfte ergeben.”[4]

[1] US Section of IMT, 2017 Perspectives for the US Revolution

[2] Alan Woods, Reform or Revolution, S. 162

[3] Forbes 16.02.2012, Kashmir Hill, https://www.forbes.com/sites/kashmirhill/2012/02/16/how-target-figured-out-a-teen-girl-was-pregnant-before-her-father-did/#3a15c9fd6668

[4] Alan Woods, Reform or Revolution, S. 162

Industrie 4.0 Teil I
Industrie 4.0 Teil II


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